Das Institut für Migrationspädagogik bietet Workshops und Fortbildungen für Jugendliche an Schulen sowie für erwachsene Fachkräfte im Bildungs-, Kunst-/Kultur- und Sozialbereich an. Durch spezialisierte Bildungsangebote fördert es ein fundiertes Verständnis der Rassismus- und Diskriminierungsmechanismen in Österreich.
Mit der Durchführung seiner ersten Konferenz für Migrationspädagogik nimmt das Institut nun einen weiteren Schritt, um Bildung als Aushandlungsraum von Differenz, Macht und Zugehörigkeit sichtbar zu machen und kritisch zu reflektieren. Dabei baut die Konferenz auf der Arbeit von Paul Mecheril auf, der Migrationspädagogik als kritischen Reflexionsrahmen versteht, welcher Bildung und Erziehung unter den Bedingungen migrationsgesellschaftlicher Normalität analysiert.
Migrationspädagogik fragt dabei nicht primär nach Integration oder Förderung von Menschen mit Migrationsgeschichte, sondern danach, wie Migration als Kategorie im pädagogischen Feld diskursiv, institutionell und praktisch hervorgebracht wird. Kulturalisierungen und Ethnisierungen werden als Machtpraktiken sichtbar gemacht, pädagogische Subjektivierungen und Zugehörigkeiten analysiert, und eine kritische Reflexivität gegenüber den eigenen Normen, Kategorien und Handlungspraktiken eingefordert. Die Konferenz setzt diesen Ansatz um, indem sie die theoretischen Grundlagen mit aktuellen praxisbezogenen Fragen der Bildungsarbeit in Österreich verbindet und kritische Stimmen aus wissenschaftlicher Forschung und kritisch bildnerischer Praxis zusammenführt.
Die erste Fachtagung Migrationspädagogik veranstaltet vom Institut für Migrationspädagogik (MIGPÄD) findet am Abendgymnasium Wien statt. Als Institution steht es für das gesellschaftliche Versprechen, dass Bildungswege nicht endgültig verschlossen sein sollen. “Nie soll unsere Schule der Grund dafür sein, dass Studierende sie wieder verlassen,” so das Leitbild des Abendgymnasiums.
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Zentrale Themen und Fragestellungen im Kontext Migrationspädagogik:
1 | Wissensproduktion und epistemische Gerechtigkeit
- Wer gilt als Wissensproduzent:in in Bildung und Forschung?
- Wie kann Bildung dekolonisiert werden?
- Zentrale Frage: Wer spricht, wer wird gehört, wessen Wissen zählt?
2 | Schule als Aushandlungsraum von Zugehörigkeit
- Institutionelle Rassismen, Klassismus, andere Diskriminierungserfahrungen (Intersektionalität) sowie Migrationserfahrungen im Schulalltag
- Handlungsspielräume gegen Zuschreibungen, Kategorisierungen und Othering
3 | Lehrer:innenbildung und Professionalisierung
- Wie kann migrationsgesellschaftliche Vielfalt in der Lehrer:innenausbildung verankert werden?
- Welche Ressourcen und Kompetenzen brauchen Lehrkräfte?
4 | Sprachpolitik und Mehrsprachigkeit
- Mehrsprachigkeit als Ressource versus Defizitperspektive in Schulen und Institutionen
- Implikationen von machtkritischen Überlegungen zu Mehrsprachigkeit für Unterricht, Elternarbeit, Beurteilungen, Lehrpläne und Schulpolitik
5 | Dekoloniale und postmigrantische Pädagogiken
- Theoretische und künstlerische Ansätze, die Bildung als Aushandlungsraum postmigrantischer Gesellschaften verstehen
- Best Practice Beispiele: Welche Ansätze zeigen im deutschsprachigen Raum aktuell Wirkung?
6 |Psychosoziale Dimensionen von Rassismuserfahrung
- Trauma, Resilienz und Empowerment in Bildungsbiografien
- Welche Ressourcen sind institutionell bereits vorhanden? Welche werden für Schüler:innen und welche für Lehrkräfte benötigt?
7 | Digitale Bildung und algorithmische Diskriminierung
- Wie wirken sich KI, Lernplattformen und Social Media auf Ungleichheiten aus?
8 | Elternarbeit und Community-Education
- Partizipation von Eltern mit Migrationserfahrung; Bildung als gemeinschaftlicher Prozess
- Best Practice Beispiele erfolgreicher Kooperationsmodelle
9 | Kunst, Medien und Pädagogik
- Wie können künstlerische Formate und popkulturelle Ausdrucksformen Bildungsräume öffnen und rassismuskritisch wirken?
10 | Bildungspolitik, Teilhabe und strukturelle Ungleichheit
- Bildungspolitische Barrieren, Segregation, Zugang zu höheren Bildungsinstitutionen
- Was kann kurz-, was mittel- und was langfristig realistisch auf Policy-Ebene verändert werden, um eine Besserung zu erzielen?
